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Der unsichtbare Autopilot: Wie „Priming“ unser Verhalten steuert, ohne dass wir es merken

  • monika1131
  • vor 13 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Stell dir vor, du gehst durch die Fußgängerzone. Es ist ein kühler Herbsttag, und du holst dir am Kiosk einen heißen Kaffee. Wenige Minuten später triffst du einen Fremden. Wie wirst du ihn einschätzen? Als herzlich und vertrauenswürdig oder als distanziert und kühl?

Die Antwort hängt überraschenderweise stark davon ab, ob dein Kaffeebecher gerade heiß oder kalt war.

Was wie Zauberei klingt, nennt sich in der Psychologie Priming (deutsch: Bahnung). Niemand hat dieses Phänomen so intensiv erforscht und populär gemacht wie der Yale-Professor John Bargh. In seinem Buch „Before You Know It“ auf deutsch „Vor dem Denken“ zeigt er: Unser Unterbewusstsein reagiert ständig auf subtile Reize aus unserer Umwelt – und lenkt unsere Entscheidungen, noch bevor es unser Bewusstsein überhaupt bemerkt hat.


Was genau ist Priming?


Priming bedeutet, dass die Aktivierung eines bestimmten Reizes (ein Wort, ein Bild, eine Temperatur) die Verarbeitung nachfolgender Reize unbewusst beeinflusst. Unser Gehirn funktioniert wie ein riesiges, vernetztes Spinnennetz. Berührst du einen Faden (z. B. das Wort „Ehrlichkeit“), schwingen die benachbarten Fäden (z. B. „Vertrauen“, „Fairness“) automatisch mit.

John Bargh hat in jahrzehntelanger Forschung verblüffende Experimente durchgeführt, die das zeigen. Hier ist eines der berühmtesten Beispiele aus seiner Arbeit.


Das „Florida-Experiment“ - Wenn Worte uns altern lassen


In einem seiner bekanntesten (und am heißesten diskutierten) Experimente von 1996 mussten Studenten aus vorgegebenen Begriffen Sätze bilden. Bei einer Gruppe waren unbemerkt Wörter eingestreut, die man mit älteren Menschen assoziiert: „Florida“, „Falten“, „vergesslich“, „grau“. Nach dem Test wurde heimlich die Zeit gemessen, die die Studenten brauchten, um den Flur zum Aufzug hinunterzugehen.

  • Das Ergebnis: Die Studenten, die mit den Alters-Begriffen „geprimet“ worden waren, liefen deutlich langsamer den Flur entlang als die Kontrollgruppe. Das Konzept des Alters hatte sich physisch auf ihren Gang übertragen.


Wie du Priming für deinen Alltag nutzen kannst


John Barghs wichtigste Botschaft in seinem Buch ist: Da wir sowieso permanent geprimet werden, sollten wir die Kontrolle über unsere Umgebung übernehmen. Du kannst deinen „Autopiloten“ gezielt programmieren:

  • Gestalte deinen Arbeitsplatz bewusst: Möchtest du fokussierter sein? Halte Ordnung und platziere Symbole für Erfolg oder Fokus in deinem Sichtfeld. Suchst du kreative Lösungen? Umgib dich mit Pflanzen oder Kunst.

  • Die Macht der ersten Minuten: Wenn du ein wichtiges Meeting hast, starte mit einem positiven Thema oder – ganz klassisch im Sinne Barghs – biete deinem Gast ein warmes Getränk an. Es bricht das Eis auf neurologischer Ebene.

  • Digitales Priming: Was du morgens als Erstes auf deinem Smartphone liest - Katastrophen-News oder inspirierende Gedanken - setzt den unbewussten Filter für deinen gesamten restlichen Tag.


Fazit


Wir sind unseren unbewussten Impulsen nicht hilflos ausgeliefert.

Im hypnosystemischen Coaching geht es genau darum, diese Effekte in günstiger Weise zu nutzen, um mehr Lebensqualität und innere Zufriedenheit zu erlangen.

Wer versteht, wie unser Gehirn im Hintergrund arbeitet, kann die Kulisse seines Lebens mehr und mehr selber gestalten und die Fäden im Hintergrund selbst ziehen.


Dieser Blog-Beitrag über Priming, basiert auf der Arbeit des renommierten Psychologen John Bargh (bekannt durch seinen Bestseller „Before You Know It“ / „Vor dem Denken“).

 
 
 

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